Transsilvanien / Siebenbürgen

Transsilvanien: Im Reich der Sachsen und Vampire
Was wäre Transsilvanien ohne Graf Dracula? Weltbekannt? Sicher nicht. Doch das Land jenseits des Waldes ist seit Jahrhunderten für Fremde verlockend.

 

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Die Region wurde einst von deutschen Kolonisten bevölkert die Kirchenburgen und ganze Städte errichteten.

In dem rumänischen Dorf Sibiel scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Morgens weckt das Plätschern des Baches. Dann rattern Fuhrwerke mit eisenbeschlagenen Rädern über das Kopfsteinpflaster in dem kleinen Ort nahe Sibiu. Kühe werden durch die Dorfstraße auf die Weide getrieben. Gegenüber öffnet der Schmied seine museal anmutende Werkstatt.

Transsilvanien – wörtlich übersetzt „jenseits des Waldes“ – wird von den dicht bewaldeten Karpaten wie eine riesige, von der Natur geschaffene Burg umschlossen. In dem Revier von nächtlich heulenden Wölfen und angeblich Blut saugenden Vampiren im Zentrum Rumäniens finden Wanderer allerorten sichere Pfade und Bergsteiger steile Felswände. Mittelalterliche Städte, Heilkurorte und scheinbar unberührte Dörfer liegen inmitten sanfter Hügellandschaften.

„Erdély“, Waldland, nannten die Ungarn die Landschaft, als sie im 9. Jahrhundert das Gebiet eroberten. Die im 12. Jahrhundert von Rhein und Mosel herbeigerufenen deutschen Kolonisten bauten solide Städte nach heimischem Vorbild und hatten bald als Händler und Handwerker die Nase vorn. Die erfolgreichen „Saxones“, aus denen Sachsen wurden, gaben ihrer neuen Heimat den Namen Siebenbürgen – nach den sieben ehemaligen Wehrburgen in Hermannstadt, Mühlbach, Broos, Reußmarkt, Leschkirch, Schenk und Reps.

Inzwischen verfällt das sächsische Erbe an vielen Stellen – und auch die deutschsprachige Bevölkerung ist nur noch eine verschwindende Minderheit. Die 83-jährige Sara Römischer zählt zu den wenigen, die in ihrem Heimatort Biertan, zu deutsch Birthälm, nicht weit von Medias ausharren. Zwei ihrer vier Söhne leben inzwischen in Deutschland. „Ich gehe nicht weg von hier. Wir sind hier geboren und sind hier zu Hause“, sagt die alte Frau. Ehemals wohnten mehr als tausend Deutsche in Biertan. Heute sind es nur noch eine Hand voll.

Der ansonsten verschlafene Ort duckt sich um seine gut erhaltene trutzige Kirchenburg aus dem 15. Jahrhundert. Mehr als 300 Jahre war sie Sitz des evangelischen Bischofs von Siebenbürgen, bis dieser nach Brasov verlegt wurde. Inzwischen findet nur noch einmal im Monat ein Gottesdienst für die etwa 70 Protestanten der Umgebung statt. Das so genannte Ehegefängnis, in dem trennungswillige Paare auf kleinstem Raum 14 Tage Bett und Tisch teilen mussten, hat inzwischen ausgedient. In rund 300 Jahren hielt danach nur ein einziges Ehepaar an seiner Scheidung fest.

Auch in Brasov, zu deutsch Kronstadt, sind die wenigen noch verbliebenen deutschsprachigen Protestanten stolz auf ihre Schwarze Kirche. Seinen Namen erhielt das von 1385 an erbaute Gotteshaus nach dem großen Stadtbrand von 1689, der alles einschwärzte. Frisch restauriert wirkt die größte gotische Hallenkirche zwischen Wien und Konstantinopel inzwischen eher grau. Monumental überragt ihr Turm den mittelalterlichen Stadtkern mit dem früheren Rathaus, dem prächtigen altsächsischen Hirscherhaus und der deutschen Schule. Lange Zeit waren die umliegenden Gassen das wichtigste Handwerker- und Handelszentrum Siebenbürgens.

Quelle: SPIEGEL ONLINE

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